Von Harald Gaubatz
Ilvesheim. (28.07.2007)
Als der Insel-Cup-Sieger des Jahres 2007 endlich feststand, zeigte die Uhr am Sonntagabend die erstaunliche Zeit von 19.38 Uhr. Fast zwei Stunden Verspätung gab es bei dem internationalen A-Junioren-Turnier der SpVgg Ilvesheim, obwohl die Veranstaltung wie gewohnt hervorragend organisiert war. Was die Verantwortlichen zeitlich in Bedrängnis brachte, war ein Umstand, der so in der 53-jährigen Turniergeschichte noch nie aufgetreten war. Ab dem Halbfinale endeten alle Spiele mit 0:0! So gab es sechs Elfmeterschießen hintereinander, im Endspiel sogar erst nach einer – natürlich torlosen – Verlängerung.
Joseph Simba erlöste Besucher und Akteure, als er zum 6:5 für die U20 von Sambia einschoss und seine Freude mit einem Salto demonstrierte. Freundlichen Applaus gab`s für den Sieger, der den schönsten Fußball zeigte. Richtige Begeisterung kam allerdings nicht auf. „Die Mannschaften haben taktisch sehr diszipliniert gespielt, dadurch fehlte ein wenig die Spannung“, hatte Dieter Münster, der Sprecher des Turnierausschusses, Verständnis fürs Publikum, „Tore sind eben die Würze im Fußball."
Damit konnte auch Hoffenheim am Sonntag nicht dienen. Im Halbfinale unterlag der TSG-Nachwuchs um Andreas Schön, der zum besten Feldspieler gewählt wurde, im Elfmeterschießen mit 5:6 gegen die Dänen vom Randers FC. Und im Spiel um Platz drei war in der Lotterie vom Strafstoßpunkt der Bundesliga-Konkurrent Hannover 96 beim 5:4 um einen Treffer besser. Trotz des Tormangels war Hoffenheims Trainer Uwe Wolf von den Tagen in Ilvesheim angetan. „Ein Klasseturnier, großes Lob an die Organisatoren“, meinte Wolf, der „viel Qualität in den Spielen“ sah. „Der Fußball lebt inzwischen von Athletik und Disziplin“, sieht er den Grund der 0:0-Flut in der Entwicklung der Sportart, „die Spielzeit beträgt nur zwei mal 20 Minuten, da ist es schwierig, Tore zu erzielen.“ Wohl wahr, denn auch bei voller Spielzeit von 90 Minuten fallen die meisten Treffer in der Schlussphase, wenn Kraft und Konzentration nachlassen. In nur 40 Spielminuten unterlaufen kaum einem der topfitten Akteure Fehler.
So liefen die Partien oft nach dem gleichen Schema ab. Fast alle Teams waren ohne Schwachpunkt mit elf gleichwertigen, guten Fußballern besetzt, die taktisch hoch diszipliniert agierten. Verschieben und ständiges Doppeln des ballführenden Akteurs führten zu einem zähen Ringen im Mittelfeld mit in der Regel sehr intensiven Zweikämpfen. Torraumszenen blieben Mangelware, da diesmal keine der Mannschaften über einen herausragenden Kreativspieler mit Ideen zu überraschenden Aktionen verfügte. „Viele Teams haben sich auf die Defensive konzentriert“, erklärte daher auch Sambias U20-Nationalcoach George Lwanbamiwa nüchtern, „für uns war die Teilnahme in Ilvesheim eine hervorragende Plattform, um den europäischen Fußball kennen zu lernen.“
Was insofern von Bedeutung ist, als sich seine Mannschaft im Moment auf die Weltmeisterschaft vom 30. Juni bis zum 22. Juli in Kanada vorbereitet. Mit dem Auftritt seiner Jungs war Lwanbamiwa zufrieden, „nur am Angriff müssen wir noch arbeiten“. Denn Sambia erzielte außer gegen den überforderten Gastgeber aus Ilvesheim in keinem Spiel ein Tor! Allerdings ließen die wie alle anderen sehr diszipliniert agierenden Afrikaner auch keinen Gegentreffer zu. Den Titelkämpfen in Kanada blickt der Trainer daher mit Optimismus entgegen, denn in dieser Woche stoßen ausgerechnet die zwei in Norwegen aktiven Stürmer zum Kader, die in der WM-Qualifikation die meisten Treffer für die „Copper Starlets“ erzielten.
Für die laut Münster 5.000 Zuschauer des Insel-Cups kommt die offensive Aufrüstung der Siegermannschaft zu spät. Im Jahr 2007 bleibt der unbefriedigende Eindruck wenig mitreißender Partien. Ein Fußball eben, der höchstens Fachleute begeistern konnte.
Gruppe 1: Türkei – Hoffenheim 1:1, Hannover – Kopenhagen 1:0, Hoffenheim – Kopenhagen 2:0, Türkei – Hannover 0:2, Kopenhagen – Türkei 0:4, Hoffenheim – Hannover 1:1; Gruppe 2: Sambia – Aachen 0:0, Randers – Ilvesheim 5:0, Randers – Aachen 1:0, Ilvesheim – Sambia 0:5, Sambia – Randers 0:0, Aachen – Ilvesheim 2:0; Platzierungsrunde: Türkei – Ilvesheim 4:0, Kopenhagen – Aachen 1:3; Halbfinale: Hannover – Sambia 4:5 n.E., Hoffenheim – Randers 5:6 n.E.; Finalspiele, Platz 7: Ilvesheim – Kopenhagen 6:7 n.E.; Platz 5: Türkei – Aachen 1:3 n.E.; Platz 3: Hannover – Hoffenheim 5:4 n.E.; Platz 1: Sambia – Randers 6:5 n.E.; Torschützenkönig: Mehmet Boztepe (4 Treffer); Bester Feldspieler: Andreas Schön (TSG Hoffenheim); Bester Torwart: Jens Künzler (SpVgg Ilvesheim).