Von Harald Gaubatz


Ilvesheim, 20.07.2025

Ever Kassel ist ein entspannter Typ. Aber manchmal, dass weiß der U19-Trainer der TSG Weinheim, bedarf es im Fußball knallharter Ansagen. So wie im Endspiel des Ilvesheimer Inselcups.

Der Oberliga-Aufsteiger hatte die Partie gegen den klassenhöheren SV Sandhausen aus der DFB-Nachwuchsliga ausgeglichen gestaltet, führte mit 1:0 und hatte Riesenchancen zum zweiten Treffer. Allein Tarik Karaman, der zum besten Torhüter des Turniers gewählt wurde, hielt das Spiel offen. Kurz vor Schluss kam Sandhausen durch einen abgefälschten Freistoß zum glücklichen Ausgleich.

Zu allem Überfluss scheiterte Mustafa Sihlaroglu in der letzten Spielminute mit einem Strafstoß an Karaman. Dass er im anschließenden Elfmeterschießen erfolgreich war, lag am Trainer. „Ich habe ihn gezwungen nochmal anzutreten“, schmunzelte Kassel, „er sollte mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.“

Nach fünf Durchgängen stand es 4:4, bei der TSG wurde verzweifelt ein sechster Schütze gesucht. Diesmal traf es David Lipka. Auch ihn habe er „gezwungen“, meinte Kassel, „keiner wollte mehr.“ Lipka traf, anschließend parierte TSG-Keeper Berthold Speer – Weinheim, erst am Donnerstagabend als Teilnehmer für den SV Gonsenheim eingesprungen, war sensationell Inselcup-Sieger.

Ivica Erceg blieb dies auch im dritten Anlauf verwehrt. Als Jugendspieler im Trikot des Karlsruher SC klappte es nicht. Als Trainer des TSV 1860 München nicht. Und nun wieder nicht. Obwohl der SV Sandhausen in der Vorrunde dominierte, die Gruppe A mit drei Siegen und 13:0 Toren souverän beherrschte.

Der Coach nahm es gelassen zur Kenntnis. Schon vor dem Finale hatte er versichert: „Ein Sieg wäre toll. Aber in der Vorbereitung sind Ergebnisse zweitrangig.“ Zumal sein Team auf etliche Leistungsträger verzichten musste. Wegen Personalnot bei den Profis trainierten vergangene Woche neun Talente aus der U19 dort mit. Stürmer Julian Bürkle überzeugte Cheftrainer Olaf Janßen derart, dass er nun fest zum Regionalligakader gehört.

Von den anderen acht stand die eine Hälfte nur samstags und die andere nur sonntags zur Verfügung. „Die Jungs brauchten einen freien Tag“, zeigte Erceg Verständnis, „die gehen auf dem Zahnfleisch.“ Für den Trainer keine einfache Situation. „Aber“, weiß er, „wenn Not am Mann ist, rücken unsere Spieler nach. Die Durchlässigkeit zu den Profis ist sehr groß.“

Bei der TSG Weinheim sieht es zwei Klassen tiefer ähnlich aus. Sechs U19-Spieler der vergangenen Saison wurden in den Verbandsliga-Kader übernommen. Für Tom Gebauer ein Argument, vom SV Waldhof nach Weinheim zu wechseln. Ausschlaggebend seien „die Perspektiven“ gewesen, meinte Gebauer, der zum besten Spieler des Turniers gekürt wurde.

Der FC Astoria Walldorf war die einzige Mannschaft, die Weinheim mit 2:1 schlagen konnte. Anschließend zerlegte die Truppe von Trainer Meik Spieler am Samstagnachmittag noch den SV Elversberg mit 5:1. Doch am Sonntag lief es nicht rund. Beim 0:3 gegen Waldhof wurde die Finalteilnahme verspielt. Und durch das 1:3 gegen den SV Wehen-Wiesbaden der dritte Platz. Ein Wiesbadener Konter in der Schlussphase führte zur Entscheidung.

HSK Mostar, der hoch gehandelte Meister aus Bosnien und Herzegowina, musste sich mit dem fünften Rang begnügen. Zum Abschluss gab es ein 1:0 gegen den Vorjahressieger SV Waldhof.

Etliche Promis unter den 1200 Zuschauern an den beiden Turniertagen beobachteten die Bemühungen der Talente. Ex-KSC-Profi Steps Groß ebenso wie Mike Schüssler und Reiner Hollich, die beim SV Waldhof ihr Geld verdienten. Auch Trainer-Ikone Gerd Dais und Dieter Heimen, einst bei Schalke 04 im Tor, staunten über die Kabinettstückchen der Jugend.

Also zog Max Dehoust von der A-Jugend des Gastgebers SpVgg Ilvesheim vier hohen Niederlagen zum Trotz ein positives Fazit: „Es war ganz okay.“

Der erst 16-jährige muss es wissen. Nach bereits zwei Turnierteilnahmen könnte er zum Rekordspieler des Inselcups aufsteigen.

Gruppe A: Ilvesheim – Sandhausen 0:10, Mostar – Wiesbaden 0:0, Ilvesheim – Wiesbaden 0:7, Mostar – Sandhausen 0:2, Mostar – Ilvesheim 6:0, Wiesbaden – Sandhausen 0:1.

Gruppe B: Waldhof – Elversberg 1:1, Walldorf – Weinheim 2:1, Waldhof – Weinheim 0:2, Walldorf – Elversberg 5:1, Waldhof – Walldorf 3:0, Elversberg – Weinheim 0:4.

Platz 7: Ilvesheim – Elversberg 1:9, Platz 5: Mostar – Waldhof 1:0, Platz 3: Wiesbaden – Walldorf 3:1, Finale: Sandhausen – Weinheim 5:6 n.E.

Bester Spieler: Tom Gebauer (TSG Weinheim), bester Torhüter: Tarik Karaman (SV Sandhausen); bester Torschütze: Karim Hasanovic (SV Wehen-Wiesbaden, 6 Treffer).