Von Harald Gaubatz

Mannheim/Zinal, 09.11.2025
Fußballer, so heißt es, laufen nicht gerne. Zumindest nicht ohne Ball. Der Überzeugung war ich jahrzehntelang auch, belächelte die vielen Hobbyläufer, die an diversen Veranstaltungen bis hin zu den zwischenzeitlich stark in Mode gekommenen Marathons teilnahmen.
Jetzt belehrten mich zwei ehemalige Kicker eines Besseren. Stefan spielte mal in der Jugend des TSV Schönau im Mannheimer Norden. Da er konditionsstark war, aber weniger gut am Ball, nutzte er sein Talent und wurde Ausdauersportler. Gute Zeiten beim legendären Iron Man in der Triathlon-Hochburg Roth sind Beweis genug, dass es sich gelohnt hat.
Thomas war bei der TSG Weinheim sogar in der höchsten deutschen Jugendliga aktiv. Trotzdem wurde er zum hervorragenden Langstreckenläufer. Beide haben nun als gestandene Männer in den 50-igern das Trailrunning für sich entdeckt. Zinal im schweizerischen Wallis war in diesem Jahr das Ziel, das Mekka der Trailrunner.
Umrahmt von fünf Viertausendern ist der „Trail du Besso“ Willensschulung pur. Auf 56 Kilometern Distanz sind 5.400 Höhenmeter zu überwinden. Selbstverständlich auf- und abwärts. Es geht über Geröllhalden und Gletscher, an Eisenketten Steilstücke rauf und runter und mit Hilfe von endlos langen Leitern fast senkrechte Wände hinauf.
Stefan und Thomas entschieden sich für den kleinen Lauf der Doppelveranstaltung, den „Tour du Roc“. Nur knapp 28 Kilometer lang und mit 2.300 Höhenmetern, ohne Leitern und Gletscher. Ich war fasziniert und meldete mich kurzentschlossen mit an.
Das war Anfang Mai. Es blieben bis zum Start Ende August gerade mal vier Monate Zeit für die Vorbereitung. Entsprechend ging die Sache aus. Thomas wurde in 5:23:55 Stunden Zweiter seiner Altersklasse. Stefan war mit einer Zeit von 6:27:37 Stunden unzufrieden. Ich war glücklich, nach acht Stunden, 15 Minuten und 22 Sekunden überhaupt ins Ziel gekommen zu sein.
Aber das Erlebnis war spektakulär, die Stimmung unter den Teilnehmern großartig. Und der Respekt der Profis vor Hobbyläufern wie mir beeindruckend.
Nächstes Jahr sollte eine Zeit unter acht Stunden drin sein…

Lockerer Auftakt: Die ersten drei Kilometer geht´s vom Bergdorf Zinal auf 1.670 Metern den Fluss entlang Richtung Talende. (AlphaFoto)

Hoch zur Arbitetaz-Hütte zieht Nebel auf. (AlphaFoto)

Halbzeit: Nach 14 Kilometern gibt´s die zweite Verpflegungsstation auf der Arpitetaz-Hütte, 2.786 Meter.

Eine Quälerei: Auf einem windigen Grat hoch zum Col de Milon auf 2.975 Metern Höhe.

Nach Ablassen an Stahlketten schwieriges Blocksteingelände jenseits des Col de Milon.

Im Schneegestöber kurz vor der Tracuit-Hütte auf 3.256 Metern. (AlphaFoto)

Zurück nach Zinal geht´s nochmal 1.600 Höhenmeter nach unten. (AlphaFoto)

Geschafft! Der Zieleinlauf. (AlphaFoto)

Das Resultat: 214. von 224 Teilnehmern, die das Ziel erreichten.

Von Wolfgang Brück aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 06.12.2025.